Athletikkonzept | Stand: 15.10.2024

ATHLETIK- KONZEPT DEUTSCHER HANDBALLBUND Version: 2.0 Stand: 15. Oktober 2024 HERAUSGEBER: DEUTSCHER HANDBALLBUND e. V. (Hrsg.) Das Athletikkonzept des Deutschen Handballbundes, Philippka GmbH & Co. KG, Münster Autoren: Simon Overkamp (Bundestrainer Athletik), Patrick Luig (Bundestrainer Bildung und Wissenschaft), Peter Weigel (IAT Leipzig), Katrin Heyde (IAT Leipzig), Jochen Beppler (Chef-Bundestrainer Nachwuchs), Thorsten Ribbecke (Trainerakademie Köln), David Gröger (Plus D Sports GmbH), Dirk Büsch (Koordinator Netzwerk Wissenschaft), Jelena Braun

Deutscher Handballbund Athletikkonzept 2 INHALTSVERZEICHNIS Vorwort von Dr. Simon Overkamp (Bundestrainer Athletik) 3 Infografik zum DHB-Athletikkonzept (Zusammenfassung) 4 1 Hintergrund des DHB-Athletikkonzepts (ATK) 6 1.1 Anforderungen der Sportart Handball an die Athletik 6 1.2 Langfristiger Leistungsaufbau (LLA) 8 1.3 Monitoring des Athletiktrainings im LLA 11 1.3.1 Belastung und Beanspruchung 11 1.3.2 Methoden des Monitorings 12 1.4 Einordnung in die DHB-Rahmentrainingskonzeption (RTK) 14 1.5 Einordnung in die DHB-Sichtungs- und Fördersystematik 15 2 Struktur des DHB-Athletikkonzepts 17 2.1 Meilensteine 19 2.2 Beweglichkeit und Stabilität 22 2.3 Aerobe und anaerobe Ausdauer 22 2.4 Maximalkraft und Schnellkraft 24 2.4.1 Maximalkraftentwicklung 29 2.4.2 Schnellkraftentwicklung 29 2.5 Schnelligkeit & Agility 31 2.6 Trainingsplanung 33 2.6.1 Aspekte der Periodisierung 33 2.6.2 Periodisierungmodelle 34 3 Die ATK in den Ausbildungsstufen der RTK 35 4 Literatur 39 Bitte zitieren Sie diese Fassung des Athletikkonzepts des DHB wie folgt: Deutscher Handballbund. (2024). Athletikkonzept des DHB – Version 2.0. Münster: philippka GmbH & Co. KG

Deutscher Handballbund Athletikkonzept 3 VORWORT VON DR. SIMON OVERKAMP (BUNDESTRAINER ATHLETIK) Liebe Handballbegeisterte, liebe Trainerinnen, liebe Trainer, liebe Spielerinnen, liebe Spieler, die Faszination des Handballs ist wesentlich durch die Dynamik des Spielgeschehens und die Physis unserer Haupakteure, der Athleten und Athlet*innen, geprägt. Nicht zuletzt durch die jüngst zurückliegenden Regeländerungen ist die Spielgeschwindigkeit in den wenigen Jahren seit der Veröffentlichung des ersten DHB-Athletikkonzeptes (ATK 1.0) noch einmal spürbar gestiegen. Diese Veränderungen werden sich oder wirken sich bereits auf die athletischen Anforderungen unserer Spieler und Spielerinnen aus, die wir in unseren Mannschaften und Vereinen betreuen und entwickeln. Es ist daher an der Zeit, das ATK 1.0 schon jetzt weiterzudenken und weiterzuentwickeln, um auch zukünftig den Anforderungen des modernen Handballs gerecht zu werden. Dabei geht es nicht darum, das Athletiktraining neu zu erfinden. Im Gegenteil: Wir wollen den eingeschlagenen, erfolgreichen Weg, der sich in unserer Wahrnehmung sehr positiv, insbesondere auf die Entwicklung der Nachwuchsspielerinnen und Nachwuchsspieler ausgewirkt hat, konsequent weiterverfolgen und zusätzliche relevante Teilaspekte noch etwas schärfen und konkretisieren. Die Zielstellung des vorliegenden ATK 2.0 besteht weiterhin darin, den trainingswissenschaftlichen Orientierungsrahmen für die athletische Ausbildung im deutschen Handball abzubilden sowie eine Unterstützungsleistung für den langfristigen, am biologischen Reifegrad und individuellen Leistungsvermögen orientierten Leistungsaufbau zu liefern. Gleichzeitig wollen wir die objektive und nachvollziehbare Kontrolle dieses Entwicklungsprozesses durch klar definierte und messbare Zielparameter in allen Ausbildungsetappen der DHB-Förderung ermöglichen. Und genau hier setzt die vorliegende Neuauflage des DHB-Athletikkonzepts 2.0 einen klaren Fokus durch weiter differenzierte, positionsspezifischen Orientierungswerte für das Athletiktraining. In einer Zeit, in der der Handball immer anspruchsvoller wird, ist es entscheidend, dass auch das athletische Training noch gezielter auf die spezifischen Anforderungen der verschiedenen Spielpositionen und im besten Fall auf die individuellen athletischen Leistungsvoraussetzungen der Einzelspielerinnen und -spieler eingeht. Ein weiterer zentraler Schwerpunkt der Überarbeitung liegt auf dem Thema Trainingsplanung. Die Gesunderhaltung der Athletinnen und Athleten steht weiterhin im Mittelpunkt unserer Bemühungen. Eine zielführende Trainingsplanung und ein effektives Belastungs- und Regenerationsmanagement sind nicht nur die Schlüsselkomponenten für die Entwicklung von Leistungsfähigkeit, sondern insbesondere auch für die Gesunderhaltung unserer Athletinnen und Athleten. Sprungkraft, „Wurfhärte“, Schnelligkeit und Co. – dies sind weiterhin die Schlüsselbegriffe, wenn es um die Leistungsvoraussetzungen im Handball geht. Die Neuauflage des Athletikkonzepts stellt sicher, dass diese Komponenten nicht nur erkannt, sondern auch gezielt trainiert werden, um die Spielerinnen und Spieler optimal auf die Herausforderungen des Spiels vorzubereiten. Das überarbeitete DHB-Athletikkonzept 2.0 soll dabei nicht nur als wissenschaftlich fundierter, sondern vor allem auch als in der Praxis anwendbarer Leitfaden für die athletische Ausbildung dienen. Es unterstützt daher vor allem Trainer*innen und Trainer in der zielgerichteten und spezifischen Steuerung des Trainingsprozesses. Gleichzeitig liefert es klare Meilensteine zur Überprüfung dieses Entwicklungsprozesses, die auch im Austausch mit den Sportlerinnen und Sportlern hilfreich sind. Wir sind uns dabei bewusst, dass nicht alle Vereine ideale Bedingungen für ein optimales Athletiktraining vorfinden oder schaffen können. Dennoch ist es entscheidend, nicht auf diese perfekten Bedingungen zu warten, sondern mit den vorhandenen Rahmenbedingungen aktiv an der Entwicklung der Athletinnen und Athleten zu arbeiten. Das Athletiktraining ist und bleibt der zentrale Schlüssel zur Leistungsoptimierung und vor allem auch zur Gesunderhaltung und hat daher in allen Bereichen des deutschen Handballs eine gleichermaßen hohe Relevanz. Mit diesem Konzept wollen wir daher primär den Austausch zwischen Spielerinnen, Spielern und Trainerinnen, Trainern fördern. Transparenz und Objektivität stehen dabei im Mittelpunkt, um eine optimale Entwicklung auf allen Ebenen zu gewährleisten. Hierbei wünschen wir allen Leserinnen und Lesern viel Erfolg. Dr. Simon Overkamp Bundestrainer Athletik

' ' ' ' ' '' ' ' ' ' ' ' ' ' ' ' . RÜCKRAU KREIS ALL AN TART HANDB AN ATHLETIKTRAINING IM HAN , 2019) r, 2006; Buchheit tarten (adaptier en Spor zu ander usdauer na eit und A on Kraft, Schnelligk usprägung v zifische A Theoretische handballspe tsmustern. tionen und Aktivitä dernden Spielsitua te sowie den ößer werdenden Spieldynamik, der Erhöhung der Aktionsdich der immer gr usbildung o thletischen A thletik. Die Abstimmung der a ebildeten A einer vielseitig ausg f d ösungsmöglichk epertoire an taktischen L oßen R en, einem gr Technik Verfügbarkeit von sportartsp ariablen f einer v fähigkeit im Handball beruh ZIFISCHE ANFORDERUNGEN POSITIONSSPE Die Spielf t auf V T eiten, beides auf f t nach Nader Gewichtheben NFORDERUNGEN DER SPORT A . ATHLETIK NDBALL DIE A . . . . . . UM Y FA Vergleich ach Spielposition im erän- n sich häufig v t sich an orientier lage er Grund pezifischen KE V RAFT . . . . aft elligkeit eich ische schen hrere r etc.) hrere mpfion. erung rüber asen, r . eit terale Schnelligk Anforderungen an la t tabilitä eit und S en an Beweglichk Anforderung a xplosivkr aft und E ximalkr Anforderungen an Ma f em Körperkontakt tensiv weikämpfe mit in gility Anforderungen an Wurfkraft und A windigkeitsvariationen weikämpfe mit Gesch m e Schne aft und linear en an Sprungkr Anforderung f eitsber windigk fe im hohen Gesch prints und Läuf CTS ZUR SPIELPOSITION onitoring zur Belastungssteuerung wie takt eit) und technische so raft, Schnelligk zifis sichtigung der handballspe ten unter Berück d in meh Verhältnisses; wir f - -Erholungs Belastungs Ausdauer (Kraftaufbau, Inhalten mit spezifischen (Liga, Pokal, EM, WM etc.); wird in meh unkten ozesses ergibt sich aus dem Wettka Trainingspr f egenerati bertraining und der Optimierung der R verbesse en Leistungs en und nachhaltig ngfristig eichen. Dar ten (Saison)Höhepunkt zu err definier erschiedene Pha Trainings in v teilung des hen Ein A . Baseball Weitsprung Eishockey . Basketball . . Rude . R rn Skilan . • hohe An • hohe An Tor • hohe An • viele Zw Kreis • hohe An • viele Zw Rückraum • hohe An • viele Sprin ußen SCHNELLIGKEIT ten rechts) ellenförmige Periodisierung (un sowie eine w s) ten link e Periodisierung (un eigt eine linear Zyklen und z oring zur Belastungssteuerung em Monit egelmäßig tion mit r ombina Aspekte in K r, Kr Athletik (A Anforderung ere Trainingseinheiten un fasst mehr Mikrozyklus: um terteilt Mikrozyklen un f f en an die A usdauer Die Abbildung gibt einen Überblick über die Z f emessenen Belastungs sichtigung eines ang unter Berück e mit Mesozyklus: umfasst einzelne Trainingsblöck terteilt Mesozyklen un individuellen Saisonhöhepunkten kalender mit den des T Planung tische die systema Makrozyklus: f on Über Vermeidung v tigung der sich unter Berück tes Training zu einer langfristig t periodisier hinaus führ or definier eistung zu einem zuv um eine bestmögliche L ystematischen Ein onzept zur s Periodisierung ist ein K ERUNG PERIODISI V A KR uf Radsport nglauf . TOR . AUßEN Ho . ockey Schwimmen . Audauerla . ärkt lichen r er len ein. Die stigen LeisV KGIHÄ Leitungsfaktoren gest und psychischen tä esundheit tzungsprophylaxe, indem die g tl t de Athletikausbildung dien vielseitig e entrale Positio LA) eine z tungsaufbau (L on t im Langfr Das Athletiktraining nimm ZIELE DES ATHLETIKTRAININGS e A is f AUSDA Boxen Sprint . AUER y Fußball . TIE GK Technik Taktik Athletik . . . in d ti t h Ribb k 2018 Ä LE PS I F Stabilität Ausdauerfähigkeit Ausdauerfähigkeit h h L t d Aufbau physisch Basis zur Entwick Wiederholungsm Sprints, Richtung Verbesserung du Regenerationsfä Bewegungsqualit traler Bestan ert werden. gesteig en vermög Leistungs taktische und nische ann das tech sis k A f dieser Ba eau. Athletikniv spezifisches es höher . t wiederum e werden. Dies ermöglich ei uf Psychis Gesundh Ze Beweglichkeit und aerobe anaerobe Maximalkraft aussetzungen im Handball . 8 sche Leistungsvora eitliche Leistungsvo . ussetzungen oraussetzungen . . higkeit im Spiel, Turnie tät und zur Verringerun Warm-Ups ( dteil jede . r- oder Saisonverlauf: ng des Verletzungsrisik (M.A.P.S.) zur Sicherun . kos g der . Z A P 1 Leistungsentwicklung/LLA piel Basis für langfristige Mikrozyklus Mesozyklus 4 - 12 Wochen 1 - 3 Wochen z. B. Spielsaison , )*, +#% ( )"-)+)*- #!!#! v (Wahrnehmung, Antizipation) in Abhängigkeit des physisch (Geschwindigkeit, Richtungswechsel) *)-,).#! $+#-" - $ - ! ) * !%$)- - #-" el- und Reaktionsfähigkeitsübungen ohne und mit Geschwindigkeit, Sprints gegen Widerstand, "! )%$!) #- + )+ -,)- )+ )!!)+#-" #+%$ nsgeschwindigkeit und lange Erholungsphase und hohe Wurfgeschwindigkeit: Verbesserung durch d geringe Wiederholungsanzahl mit ausreichender er Resilienz v.a. Körperkontakt: Verbesserung durch klung von Schnell- und Reaktivkraft, Grundlage für methode, Small-Sided Games gswechsel, Zweikämpfe: Verbesserung durch urch Dauermethoden Makrozyklus g p , lg . im Spiel erhöhen minimieren Reaktivkraft ) )* *")- -,) als auch kognitiv (Wahrnehmung, Antizipation) in Abhängigkei Aktionen sowohl physisch (Geschwindigkeit, Richtungswechse %$-) ) #- ) -,!%$)* #-"! - Richtungswechsel- und Reaktionsfähigkeitsübungen ohne und Sprints mit max. Geschwindigkeit, Sprints gegen Widerstand, .-,+*,,)( &*%$,#-" hohe Kontraktionsgeschwindigkeit und lange Erholungsphase Antritt, Sprünge und hohe Wurfgeschwindigkeit: Verbesserung Erholungsphase hohe Lasten und geringe Wiederholungsanzahl mit ausreichen 20 Schnellkraft Schnelligkeit Agility Athletische Leistungsvor Verletzungsrisiko Leistungsfähigkeit Erfolg 3 1 2 . lisierung yk Z iodisierung er tensitäten Umfänge und In e) ellenförmig häufig wechselnde (w t Intensität erhöh ohingegen sich die Zeitintervall ab w t mit zunehmendem Umfang nimm f tätisnetnI gnafmU f Wellenförmige Periodisierung tätisnetnI gnafmU Lineare Periodisierung P . Deutscher Handballbund Athletikkonzept 4

< < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < < alter 'B21D?+ P Phase /)D-%;D ALL AN TART HANDB AN ATHLETIKTRAINING IM HAN tierung). oborien t lediglich der Gr (das kalendarische Alter dien alendarischen Alter zur Be fahrung dem k wegungser Trainings- und Be die individuelle tw terschiedlicher En f Grund un olle spielen. A tscheidende Schlüsselr der Inhalte die en , wobei eine LA von Anfang an möglich und nötig rafttraining im L auch ein individuelles K w zifischen Sch twicklungsspe fern diese mit einer alters- und en fen tr thletischen D ten, dass alle a ainings im Handball ist zu beach thletiktr Bezüglich des A en Ausbild en und den bisherig ompetenz wegungsk eits erworbenen Be R fegrad, die ber . Die Progre ehen fließend ineinander über f und g fe fe A on Kinder twicklungsstand v tiert sich an dem En en und orien fen unterstütz f allen S aining soll systematisch den Aufbau der sportliche t. Das Athletiktr fen geglieder HB ahmentrainingskonzeption des D d in der R e Leistungsaufbau wir Der langfristig LEISTUNGSAUFBAU (LLA) TIGER LANGFRIS dungsstuf auf tuf usbildungsstufen bauen aufeinander auf eif stuf ainierbar sind, sof f f uf f 6 .;4 )B ; NFORDERUNGEN DER SPORT A ATHLETIK NDBALL DIE A wie wicklungsstände ist das biologische Alter so uordnung und Priorisierung emäße Z e altersg gehen. Somit ist werpunktsetzung einher - twicklungs f allen En ft. dungsstand g ession ist an den biologischen endlichen. Die rn und Jug eit fähigk en L f Ausbil- in fünf eistungsf eknüpf POSIT imensionen auf (16-17 Jahre) AT1 (14-15 Jahre) GLT Rückra onel sch-kondi thle ZIFISCHE ORI TIONSSPE A L A (20-21 Jahre) ST (18-19 Jahre) AT2 (Stand: 2023) umspieler Anforderungen für den IENTIERUNG le A A -(%>=?D2D - =D? Phase /)D-%;D Trainingssteuerun urteilung der 2%;4Dorzuziehen ng v , drücken [rel. 1-RM] ra , ankdrücken [rel. 1-RM] , owerclean [rel. 1-RM] , rop Jump (RKI; [m/s]) ounter Movement Jump [cm] quat Jump [cm] , ro-Agility-Test [s] , -m[s] , -m[s] , 5-m[s] 1 10 1 20 3 P 4 S 31 C 34 D 1 P 0 B 0 K 0 ,65 ,75 70 ,80 ,00 ,10 90 ,00 ,95 ,05 70 ,80 ,85 ,95 50 ,60 ,0 ,0 ,0 ,0 ,5 ,5 ,0 ,0 ,70 ,60 85 ,75 ,05 ,95 15 ,05 ,85 ,75 90 ,80 ,10 ,00 ,15 - 1,05 1 - 1 - 1 1 - 1 - 3 3 - 2 - 4 4 - 4 1 - 34 38 - 41 4 - 37 40 - 43 - 1 1 - 1 - 0 0 - 1 - 1 1 - 1 - 0 0 - 0 ,70 ,67 ,77 ,10 ,05 ,15 ,15 ,05 ,15 ,90 ,87 ,97 ,0 ,0 ,0 ,0 ,0 ,0 ,75 ,72 ,62 ,95 ,00 ,90 ,75 ,80 ,70 ,05 1,07 - 0,97 1 - 1 - 1 1 - 3 - 2 2 - 4 - 4 4 - 39 - 42 40 - 41 - 44 42 - 1 - 1 1 - 1 - 1 1 - 1 - 1 1 - 0 - 0 0 - ,80 ,20 ,25 ,00 ,0 ,0 ,65 ,85 ,65 0,95 1 2 4 43 45 2 1 1 0 alter 'B21D?+ Veloc eak Heigh PHV = P .;4D- )B&;&6 schulu !%?B? ' ./?)B;1/26??4/:D Alter (kalendarisch) + city (Phase des beschle Phase /)D-%;D enwachs eunigten Läng Phase /)D-%;D ) stums -(%>=?D2D2%;4D- - =D? pirometrie [(ml/min)/kg] FT-30-15 [km/h] le Sprints (EI; [%]) epeated Shu , reuzheben [rel. 1-RM] , niebeuge [rel. 1-RM] ] [ K 1 K 1 R 4 I 16 S 3 5 ,5 ,5 ,0 ,0 ,0 ,7 ,1 ,8 ,60 ,70 55 ,65 ,40 ,50 20 ,30 ,70 0,80 , , - 1 1 - 1 - 1 1 - 1 4 - 3 4 - 3 6 - 17 18 - 19 5 - 5 4 3 5 ,5 ,5 ,5 ,1 ,7 ,4 ,70 ,65 ,75 ,55 ,45 ,55 , , , 1 - 1 1 - 1 - 1 1 - 3 - 3 3 - 19 - 20 20 - 5 - 5 5 - 6 ,5 ,8 ,80 ,65 , 1 1 2 21 5 adäquate Zusatzlasten ung + training -/21;%6D2+ /:)%/4-%B2B26 15% 10% 15% 35% 25% 10% 10% 20% 30% 30% . ? leichte Zusatzlasten motor. )B;1/26 individuelle Schulung ? ?4D %4B?>=D- DB?4/26?%/:)%/ e ner )B2B?* # + "/6D21 * + 21 + + ! + "/6D21 + + max. Zusatzlasten training 2?>=;/ + /:)%/4-%B2B26 20% 10% 20% 20% 30% 20% 20% 20% 20% 20% . . hohe Zusatzlasten ?EDCB%;B?BD-4D- DB?4/26?%/:)%/ Heranführung an Spitzenleistung . + "/6D21 + + + "/2B&-D2 "/2B&-B22D2 '&;;D54B0D? .26-B,?+*.)(D=-?EBD; '&&ED-%4B0D? .26-B,?+*.)(D=-?EBD; 321B0B1/D;;D? .26-B,?+*.)(D=-?EBD; Tempospiel $&4&-B5*.4=;D4B5 Altersklasse FEBD;D-%/?)B;1/26 vielseitige m -/21%/?) D(B>=4/26 Athletiktraining siehe für Train B4 !% ) !D(D6;B>=5DB4 Ausdauer + * + "/6D2 her F>=2D;;B65DB4*.6B Kr !D(D6;B>=5 Ausdau F>=2D;;B65DB4*.6B Kr Betonung athletisc B D2?B&2D2 eigenes KG 4B5 enz ;B4 raft 5DB4 uer ;B4 raft ing ing ing + - Allg. Krafttraini Spez. Krafttraini Hypertrophietraini 2D/-& /?5 '&&-1 + rafttrainingsformen !D;%?4%?4/ dauer Allgemein !DA21D ! -1D-? ?4D %4 &) D54B0 ?/) D54B0 Krafttrainingskompetenz Kr Monitoring DB?4/26???E&-4?B>=4/266 Präveentivdiag. Ausführuungstechnik Athletikmonitooring + 9=-; te osition. t und P fe, Geschlech von A fähi tzung der L tierungswerte eine erste Einschä fern Orien t durchgeführ oring Athletikmonit züglich wir raftwerte etc.). Diesbe (Sprintzeiten, Sprunghöhen, K thle folgt über die Erhebung a Trainings er eit des Wirksamk Die Überprüfung der LLA progressiv sind. en Komplex erden, der fqualität, (s)RPE etc.) sollte gewählt w allgemeines Befinden, Schla .) und subjektiv en, Last etc r, Anzahl Wiederholung nation aus objektiv f die Trainingsbelastung) not ysiologische R ychologische und ph (individuelle ps fahr gehenden individuell er titative Erfassung der Belastung und der damit einher die quan ozess individuell ang Trainingspr . Um den erung t zur erwünschten Leistungssteig hältnis führ epassten Belast Trainingsplanung mit einem ang ermindern. Nur eine fähigkeit v L fälligk Verletzungsan ann die eringe als auch eine zu hohe Belastung k Sowohl eine zu g MONITORING f eistungsf f f eaktion auf en (Belastungsdauer f f f d das A . Dabei lief eistungsf S FEDCBA?>=D FEBD;:9=B65DB4 Allgemeine Spielfähigkeit Motorische Grundlagen +"/6D21 +"/6D21 usbildungsstuf + 35% 15% 50% 40% 20% 40% Komplex /26?+ r nes D2 Belastungshöhe C ! B?4%2C %?4 ++ +++ + ++ +++ + Herzfrequenz (Hf) D-C-%4D20%-B%)B;B494 Schlafqualität Stimmung FD??B&2+ %4B26+&:+ D->DB0D1+ D-4B&2 ? .>/4D+#=-&2B>+ &-5;&%1+ %4B& .# eit igkeit in Abhängigk g des DHB regelmäßig ößen enngr etischer K fang im xität und Um arametern (subj. ven P - ombi twendig. Eine K renen Beanspruchung gepasst zu steuern, ist Ver- tungs-Erholungskeit erhöhen und die f xität und Umfang eren Altersklassen. in den jüng Trainingsinhal teile der t der An Übersich * FÜRTRAINER MIT BAMBINI +"/6D21 Mini + 20% 40% 40% 30% 30% 40% Deutscher Handballbund Athletikkonzept 5

HINTERGRUND Deutscher Handballbund Athletikkonzept 6 Um diese Anforderungen im Spiel am besten umsetzen zu können (z. B. schneller zu laufen, höher zu springen und eine höhere Ballabfluggeschwindigkeit zu erzielen), bedarf es einer gut entwickelten Athletik. Diese spielt sowohl für den Erfolg im Spiel als auch für die langfristige Leistungsentwicklung von Handballspieler*innen eine zentrale Rolle und gilt neben Technik und Taktik als wichtiger Baustein der Spielfähigkeit (Kromer, 2015). Außerdem kann ein gutes athletisches Grundniveau vor Verletzungen schützen und damit für die Spieler*innen selbst sowie ihre Mannschaft die Ausfallzeit verringern. Die immer größer werdende Dynamik des Spiels, die Erhöhung der Aktionsdichte pro Zeit und die häufigen Veränderungen von Spielsituationen und Aktivitätsmustern erfordern eine vielseitige athletische Ausbildung für Handballspieler*innen. Handballspezifische Aktivitätsmuster auf dem Spielfeld in Angriff und Abwehr sind durch viele Antritte und Stopps, Richtungswechsel, Sprints, ein- und beidbeinige Sprünge, verschiedene einhändige Würfe (Pässe und Torwürfe), ein- und beidhändiges Fangen und Blocken des Balls, aber auch immer wieder Phasen mit weniger Aktivität gekennzeichnet (Karcher & Buchheit, 2014b; Kromer, 2015; Michalsik & Aagaard, 2015; Zawieja, Ribbecke, Thomas & Bukac, 2016). Alle Aktivitätsmuster können situativ und individuell unterschiedlich ausgeprägt sein, zum 1 HINTERGRUND DES DHB-ATHLETIKKONZEPTS (ATK) Die primäre Intention des vorliegenden DHB-Athletikkonzepts besteht darin, einen grundsätzlichen Orientierungsrahmen für die athletische Ausbildung von Nachwuchsathlet*innen im deutschen Handball anzubieten. Gesundheitserhaltung undförderung sind dabei die übergeordneten Motive, die überhaupt erst einen langfristigen, systematischen Leistungsaufbau ermöglichen. Mithilfe von differenzierbaren Lern- und Entwicklungszielen, den sogenannten Meilensteinen, möchten wir unseren engagierten (Athletik-)Trainer*innen, die die Ausbildung unserer Handballtalente maßgeblich in der Hand haben, eine Orientierung und Hilfestellung bei der Wahl der Inhalte und Methoden anbieten. Diese orientieren sich zum einen an den Anforderungen der Sportart selbst, vor allem aber auch an den grundsätzlichen Etappen eines langfristigen athletischen Leistungsaufbaus im Kindes- und Jugendalter. 1.1 ANFORDERUNGEN DER SPORTART HANDBALL AN DIE ATHLETIK Reduziert man die Anforderungen der Sportart Handball an die Athletik auf die notwendigen motorischen Grundbewegungen, landet man sehr schnell beim Laufen, Springen und Werfen. Schnell laufen, hoch springen, hohe Ballabfluggeschwindigkeiten erzielen: Dafür benötigen Handballspieler*innen eine gut ausgeprägte Athletik.

HINTERGRUND Deutscher Handballbund Athletikkonzept 7 Beispiel durch die Spielposition, technisch-taktische Voraussetzungen, die Bewegungsgeschwindigkeit oder durch mehr oder weniger intensiven Körperkontakt mit Gegenspielern (leichter Kontakt bis Halten, Sperren oder Stoßen). Die Torhüterposition weist andere Anforderungen auf als die Positionen auf dem Spielfeld. Aktivitätsmuster im Tor sind gekennzeichnet durch kurze, schnelle Bewegungen mit kleinerem Bewegungsradius bei hoher Körperspannung, wenn das eigene Team in der Abwehr ist – schnelle (Re-)Aktionen mit großen Bewegungsamplituden aller Extremitäten, Körperspannung aufrecht erhalten bei Ballkontakten von bis zu 120 km/h Geschwindigkeit aus kürzester Entfernung, kurze und lange Pässe usw. – und Pausen, während die eigene Mannschaft angreift. Durch eine der Regeländerungen im Jahr 2016 (die Torhüter*innen können durch eine*n Feldspieler*in ohne besondere Kennzeichnung ersetzt werden) kommt es häufiger vor, dass Torhüter*innen von der Bank zurück in das Tor sprinten müssen. Tabelle 1 (s. oben) gibt einen Überblick über die positionsspezifischen Anforderungen im Handball. Daraus ergibt sich hinsichtlich der athletischen Anforderungen die Notwendigkeit der positionsspezifischen Einordnung, die in Abb. 1 (s. S. 8) vereinfacht dargestellt wird. Um den Erfolg des Athletiktrainings einschätzen zu können, bedarf es kurz-, mittel- und langfristigen Zielvorgaben. Hierzu ist ein regelmäßiger Abgleich der individuellen diagnostischen Ergebnisse mit den als Orientierungsrahmen dienenden Meilensteinen notwendig. Das vorliegende Athletikkonzept des Deutschen Handballbundes liefert hierfür hilfreiche Meilensteine, an dem das Athletiktraining im langfristigen Leistungsaufbau angelehnt werden kann. Tab. 1 Positionsspezifische Anforderungen im Handball (adaptiert nach Luig, 2008; Karcher & Buchheit, 2014a; Michalsik et al., 2015a,b) | Legende: von (= gering) bis (= sehr hoch) Positionsspezifische Anforderungen im Handball Position Technische Aktionen Laufleistungen Würfe Sprünge Pässe Durchschnittliche Laufgeschwindigkeit Hochintensive Aktionen Sprints Zweikämpfe Mittel Läufe mit geringer Geschwindigkeit Läufe mit hoher Geschwindigkeit Rückraum Kreis Außen Tor Läufe mit mittlerer Geschwindigkeit Anteil an Intensitäts- bereichen Bedarf an Spielerwechseln Gering Hoch 1-gegen-1 Gesamt

HINTERGRUND Deutscher Handballbund Athletikkonzept 8 1.2 LANGFRISTIGER LEISTUNGSAUFBAU (LLA) Die Relevanz des Athletiktrainings für den langfristigen Leistungsaufbau – insbesondere im Nachwuchsleistungssport – ist mittlerweile unbestritten. Neben der gezielten Entwicklung von Leistung ist dabei die übergeordnete Zielstellung von Athletiktraining vor allem die Gesundheitserhaltung und -förderung von Nachwuchsathlet*innen. Diese zentralen und wichtigen Aussagen werden bereits seit einiger Zeit von einer breiten Basis wissenschaftlicher Publikationen und Positionspapieren gestützt (Bergeron et al., 2015; Lloyd et al., 2016). Trotz des wissenschaftlichen Supports zeigt aber die gelebte Praxis, dass insbesondere mit Blick auf das Krafttraining im Kindesund Jugendalter immer noch sehr viele zum Teil unbegründete Vorbehalte oder Unsicherheiten in der Umsetzung von Athletiktraining bestehen (Drenowatz & Greier, 2018; Faigenbaum & McFarland, 2016; Lesinski, Prieske & Granacher, 2016). Vor dem Hintergrund dieser vorhandenen „Restunsicherheit“ möchten wir in diesem Kapitel daher eine wissenschaftlich gestützte Einordnung des langfristigen athletischen Leistungsaufbaus vornehmen, um damit auch eventuell bestehenden Hemmschwellen bei der Umsetzung von Athletiktraining in allen Alters- und Leistungsbereichen zu begegnen. Zudem möchten wir das große Potenzial, das entwicklungsgerechtes Athletiktraining im Hinblick auf die skizzierten Ziele Gesundheitserhaltung und -förderung sowie Leistungsentwicklung bietet, bewusst in den Vordergrund rücken. Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft ist in allen Phasen des langfristigen Leistungsaufbaus ein Athletiktraining mit Nachwuchsathlet*innen möglich und notwendig. Aktuelle Modelle des langfristigen Leistungsaufbaus, in der englischsprachigen Literatur in der Regel „Long-term athletic development“ genannt, zeigen, dass hierbei eine altersgemäße ZuordHandball Kraft Schnelligkeit Ausdauer Kreis Rückraum Tor Außen Abb. 1 Theoretische handball- und positionsspezifische Ausprägung von Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer (adaptiert nach Buchheit, 2019; Nader, 2006) Athletiktraining ist in jeder Ausbildungsstufe erforderlich.

HINTERGRUND Deutscher Handballbund Athletikkonzept 9 nung und Priorisierung von Inhalten die zentrale Schlüsselrolle spielt. Entscheidend in diesem Kontext ist der Fakt, dass die Einordnung der Inhalte sich weniger am kalendarischen Alter, sondern vielmehr am biologischen Reifegrad der Athlet*innen orientiert (Büsch et al., 2017; Lloyd & Oliver, 2012; Lloyd et al., 2015). Neben dem biologischen Reifegrad stellt zudem die individuelle Trainings- und Bewegungserfahrung, die bei gleichaltrigen und/oder gleichentwickelten Nachwuchsathlet*innen deutlich variieren kann, eine weitere Schlüsselrolle dar, die die Auswahl von geeigneten athletisch-motorischen Inhalten maßgeblich beeinflusst (Faigenbaum, Lloyd, MacDonald & Myer, 2016). Das hier dargestellte, ganzheitliche motorische Entwicklungsmodell im Kindes- und Jugendalter (s. Tab. 2) berücksichtigt die zuvor genannten wissenschaftlichen Fragestellungen und gibt Trainer*innen einen hervorragenden Überblick darüber, welche Bausteine der athletisch-motorischen Ausbildung mit welchen Schwerpunktsetzungen in den einzelnen Phasen der biologischen Reife im Training präferiert werden sollten (Büsch et al., 2017; Lloyd et al., 2015). Ein zentraler Aspekt, der sich aus diesem Modell ableitet, ist, dass grundsätzlich alle athletischen Dimensionen in allen Entwicklungsstufen trainierbar sind, auch wenn alters- und entwicklungsspezifische Schwerpunkte gesetzt werden sollten. Weiterhin wird deutlich, dass Kinder und Jugendliche gerade auch im athletisch-motorischen Bereich vielfältig und abwechslungsreich trainiert werden müssen, wobei für den langfristigen Leistungsaufbau neben der Entwicklung von vielfältigen Bewegungskompetenzen gerade auch der Erwerb einer Krafttrainingskompetenz in den Vordergrund rückt (Lloyd, 2018). Setzt man diese Erkenntnis in den Kontext der bereits skizzierten Vorbehalte gegenüber Krafttraining im Kindes- und Ju- gendalter, wird deutlich, warum die Trainingswissenschaft in den letzten Jahren versucht hat, zahlreiche Fragestellungen, die sich aus diesem Konflikt ergeben, zu beantworten. Vor diesem Hintergrund ist im Rahmen der KINGS-Studie (Krafttraining im Nachwuchsleistungssport) ein Modell entwickelt worden (s. Abb. 2 auf S. 10), dass für Trainer*innen eine wertvolle Orientierungshilfe zur Implementierung verschiedener Krafttrainingsformen in die Etappen des langfristigen Leistungsaufbaus darstellt (Büsch et al., 2017; Granacher et al., 2016). Die Relevanz der Krafttrainingskompetenz, also der Fähigkeit, Krafttrainingsübungen unabhängig von der Last mit hoher Bewegungsqualität zu realisieren, ist neben dem biologischen Reifegrad das zweite zentrale Kriterium für die Progression der verschiedenen Krafttrainingsformen im langfristigen Leistungsaufbau. Dies sollte daher für Trainer*innen insbesondere bei der Umsetzung des vorliegenden DHB-Athletikkonzepts von höchster Bedeutung sein. Tab. 2 Ganzheitliches motorisches Entwicklungsmodell im Kindes- und Jugendalter (adaptiert nach Büsch et al., 2017; Lloyd et al., 2015) Altersstufe Frühes Kindesalter Mittleres/spätes Kindesalter Jugendalter Erwachsenenalter Kalendarisches Alter (Jahre) q 2 – 4 5 – 11 12 – 20 21+ 2 – 4 5 – 9 10 – 19 20+ Reifungsphase EBF EBF EBF EBF Präpubertär (prä PHV) Postpubertär (post PHV) PHV Körperliche Entwicklung Beweglichkeit Beweglichkeit Beweglichkeit Gewandtheit Gewandtheit Gewandtheit Gewandtheit Schnelligkeit Schnelligkeit Schnelligkeit Schnelligkeit Schnellkraft Schnellkraft Schnellkraft Schnellkraft Kraft* Kraft* Ausdauer und Stoffwechselzustand Kraft* Kraft* Hypertrophie Hypertrophie Hypertrophie Hypertrophie Ausdauer und Stoffwechselzustand Ausdauer und Stoffwechselzustand Ausdauer und Stoffwechsel- zustand SSF SSF SSF SSF PHV: Peak-Height-Velocity (Zeitpunkt des Eintritts in den Wachstumsschub) EBF: Elementare Bewegungsfertigkeiten SSF: Sportspezifische Fertigkeiten *: Kraftausdauer und Maximalkraft Hinweise zum Modell: Die unterschiedliche Größe der Begriffe verdeutlicht die Gewichtung. Eine größere (gefettete) Schrift zeigt eine entsprechend höhere Gewichtung an. Die Schattierungen kennzeichnen eine unterschiedliche Gewichtung in den differenzierten Reifungsphasen (prä PHV, PHV, post PHV). Kalendarisches Alter (Jahre) Q

HINTERGRUND Deutscher Handballbund Athletikkonzept 10 Abb. 2 Konzeptionelles Modell zur Implementierung verschiedener Krafttrainingsformen in die Etappen des langfristigen Leistungsaufbaus (adaptiert nach Büsch et al., 2017) Mittleres Kindesalter Spätes Kindesalter Jugendalter Erwachsenenalter weiblich: 5/6 - 8/9 Jahre weiblich: 8/9 - 10/11 Jahre weiblich: 10/11 - 18/19 Jahre weiblich: >19 Jahre männlich: 5/6 - 9/10 Jahre männlich: 9/10 - 12/13 Jahre männlich: 12/13 - 19/20 Jahre männlich: >20 Jahre präpubertär (vor PHV) präpubertär (vor PHV) pubertär (während PHV) postpubertär (nach PHV) Basisschulung Grundlagentraining Aufbautraining 1 + 2 Anschlusstraining • allgemeines Krafttraining (vs. Abb.3 unten) mit leichten Zusatzlasten oder Körpergewicht mit Fokus auf Ausführungstechnik • keine Maximallasten oder Maximalkraftversuche! neuronale Anpassungen hormonelle, neuronale, muskuläre, tendinöse und skelettale Anpassungen • allgemeines Krafttraining mit adäquaten Zusatzlasten mit Fokus auf Ausführungstechnik • Einstieg in Hypertrophiemethode • Einstieg in spezifisches Krafttraining (s. Abb. 3). • allgemeines Krafttraining mit adäquaten Zusatzlasten • Fokus auf Hypertrophiemethode • Einstieg in Neuromuskuläres Koordinationstraining (NK-Methode, früher auch IK-Methode genannt) • spezifisches Krafttraining Kalendarisches Alter Reifungsphase Ausbildungsstufe in der DHB-Rahmentrainingskonzeption Langfristige Entwicklung der Muskelkraft (Maximalkraft, Schnellkraft, Kraftausdauer) • allgemeines Krafttraining mit adäquaten Zusatzlasten • Fokus auf Hypertrophiemethode und Neuromuskuläres Koordinationstraining • spezifisches Krafttraining hoch Krafttrainingskompetenz (bezogen auf die Ausführungstechnik von Kraftübungen) gering Trainingsbedingte Anpassungen Abb. 3 Überblick über die Differenzierung von allgemeinem und spezifischem Krafttraining sowie Handballtraining (in Anlehnung an Leibiger & Büsch, 2018). ZIELSTELLUNG • Entwicklung der Skelettmuskulatur mittels Freihantel- und Gerätetrainings METHODEN • Kraftausdauertraining • Hypertrophietraining • neuromuskuläres Koordinationstraining ÜBUNGSBEISPIELE • Kniebeugen • Kreuzheben • Bankdrücken ALLGEMEINES KRAFTTRAINING SPEZIFISCHES KRAFTTRAINING SPEZIFISCHES HANDBALLTRAINING ZIELSTELLUNG • Entwicklung einer sportartspezifischen Schnelligkeit METHODEN • Reaktivkrafttraining • Schnelligkeitstraining ÜBUNGSBEISPIELE • Schubschlittenläufe • Kettlebell-Schwingen • explosive Würfe mit dem Medizinball ZIELSTELLUNG • Entwicklung der sportartspezifischen Fertigkeiten METHODEN • Video-Feedback-Training • Spiel- und Übungsformen ÜBUNGSBEISPIELE • Gegenstöße (Sprints mit Torabschluss) • Sprungwürfe hoch/weit

HINTERGRUND Deutscher Handballbund Athletikkonzept 11 1.3 MONITORING DES ATHLETIKTRAININGS IM LLA Das Ziel jedes Trainingsprozesses ist die Erhöhung der sportartspezifischen Leistungsfähigkeit, um den sportlichen Wettbewerb möglichst erfolgreich zu gestalten. Trainingsbelastung und individuelle Leistungsfähigkeit stehen jedoch in komplexen Zusammenhängen und sind abhängig von diversen Faktoren. Um den Trainingsprozess für die einzelnen Athlet*innen zu optimieren, ist es notwendig, zu verstehen, dass jede Trainingsbelastung eine individuelle, nach innen gerichtete physiologische und psychologische Reaktion hervorruft. Diese wird Beanspruchung genannt. Erst die quantitative Erfassung der Belastung und der damit einhergehenden Beanspruchung ermöglicht eine systematische Steuerung des Trainings. Dies gilt im Besonderen auch für das Athletiktraining. Um die hohen physischen Belastungen im Handball bewältigen zu können und somit auch die Verletzungswahrscheinlichkeit zu minimieren, ist im LLA eine Progression notwendig. Athlet*innen mit höheren Kraft- und Ausdauerwerten haben eine geringere Verletzungswahrscheinlichkeit im Vergleich zu weniger fitten Athlet*innen (Malone et al., 2018). Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Belastung (inkl. Unter- als auch Überbelastung), der Verletzungswahrscheinlichkeit und der Leistungsfähigkeit. Sowohl ein unzureichendes als auch übermäßiges Training kann demnach die Verletzungsanfälligkeit erhöhen, die Leistungsfähigkeit mindern und somit die Erfolgswahrscheinlichkeit der gesamten Mannschaft im Wettbewerb reduzieren. Folglich ist nicht die schiere Anzahl der Trainingseinheiten entscheidend, sondern viel mehr die Trainingsplanung mit einem angepassten Verhältnis von Belastung und Erholung, um die Leistungsfähigkeit langfristig zu maximieren. 1.3.1 Belastung und Beanspruchung Je nach biologischem Alter, genetischer Prädisposition, (Kraft-) Trainingskompetenz, dem aktuellen psychischen Zustand sowie vielen weiteren individuellen Faktoren kann dieselbe Belastung unterschiedliche individuelle Beanspruchungen verursachen. So kann man in einem Mannschaftssportszenario niemals davon ausgehen, dass z. B. eine Athletikeinheit einen kollektiven Trainingsreiz setzt. Die individuell erfahrene Beanspruchung und einhergehende Ermüdung ist somit für die nachfolgende Adaptation und Regeneration verantwortlich. Die Schwierigkeit, vor allem in Mannschaftssportarten, ist die Gestaltung eines Trainings, das möglichst allen Spieler*innen einen optimalen Trainingsreiz bietet. Um dem Dilemma bezüglich der optimalen Trainingsdosierung entgegenzuwirken (zu hoher oder zu niedriger Trainingsreiz) ist eine Quantifizierung der Belastung, aber viel wichtiger noch der individuellen Beanspruchung notwendig. Tab. 3 Empfohlene Methoden des Monitorings in den Ausbildungsstufen der RTK Legende zu Tab. 3: • BPM = Beats per minute (Herzschläge pro Minute) • HRV = Heart-rate-variability (Herzfrequenzvariabilität) • (s)RPE - (Session) Rating of Perceived Exertion (subjektives Beanspruchungsempfinden) • ACWR = Acute to chronic workload ratio (Verhältnis von akuter zu chronischer Belastung/Beanspruchung) Basisschulung Methode Grundlagentraining Aufbautraining 1 Aufbautraining 2 Anschlusstraining Neuromuskuläre Jump & Reach Jump & Reach Jump & Reach Drop Jump Drop Jump Tests Griffkraft Griffkraft Griffkraft Groin Squeeze Messung von Zeit Zeit Zeit Zeit Zeit (Trainings-) Wiederholungen Wiederholungen Wiederholungen Wiederholungen Umfängen Last Last Last Laufleistung Messung BPM BPM BPM Herzfrequenzdaten HRV Abfrage (s)RPE (s)RPE (s)RPE subjektives ACWR ACWR Belastungsempfinden Abfrage Allgemeines Stimmung Stimmung Stimmung Stimmung subjektives Befinden Schlafqualität Schlafqualität Schlafqualität Schlafqualität allgmeines muskulärer Zustand muskulärer Zustand muskulärer Zustand Befinden OBJEKTIV SUBJEKTIV

HINTERGRUND 12 1.3.2 Methoden des Monitorings Verschiedene objektive und subjektive Methoden stehen zur Verfügung, um die Belastung und Beanspruchung zu quantifizieren. Wenn richtig angewendet, können diese die Trainingsplanung unterstützen, um ein angemessenes Verhältnis von Belastung und Erholung zu erzeugen. Tabelle 3 (s. S. 11) zeigt exemplarisch, welche Methoden des Monitorings sich in den unterschiedlichen Ausbildungsstufen anbieten. Um den Trainingsprozess zu optimieren, ist es notwendig, sowohl die Trainingsbelastung als auch die damit verbundene Beanspruchung der Spieler*innen auf individueller Basis zu quantifizieren. Das Monitoring soll den Trainer*innen helfen, die Belastungstoleranz langfristig und progressiv zu erhöhen und damit die Verletzungswahrscheinlichkeit zu minimieren und die Leistungsfähigkeit zu steigern. Eine Kombination aus subjektiven und objektiven Parametern ist dabei ein geeigneter Ansatz. Bei unzureichenden Mitteln für objektive Parameter scheint nur ein subjektives Feedback der Athlet*innen ausreichende Erkenntnisse für die Trainingsplanung zu liefern. Objektive Daten • Neuromuskuläre Tests: Diese Tests geben den Trainer*innen Aufschluss darüber, wie das aktuelle Zusammenspiel zwischen Nervensystem und Muskulatur aufgestellt ist. Ist dabei ein akuter (innerhalb einer Woche) oder ein chronischer (vier Wochen und mehr) Rückgang der Parameter zu beobachten, kann auf ein nicht angemessenes Verhältnis in der Belastungssteuerung oder einen anderen Grund für einen Leistungsrückgang auf neuromuskulärer Ebene geschlossen werden. Abb. 4 Vereinfachte Abfrage des allgemeinen Befindens mit Emojis Abb. 5 Abfrage der Schlafqualität, des Muskelzustands und der Stimmung per App Wie war Dein Schlaf? Wie ist Deine Stimmung? Wie fühlst Du Dich körperlich? Schlafqualität Sehr ausgeruht Ausgeruht Eher ausgeruht Neutral Eher ruhelos Ruhelos Sehr ruhelos Muskulärer Zustand Sehr gut Gut Eher gut Neutral Eher verspannt/leichter Schmerz Verspannt/schmerzhaft Sehr verspannt/starker Schmerz Allgemeine Stimmung Sehr angenehm Angenehm Eher angenehm Neutral Eher unangenehm Unangenehm Sehr unangenehm Deutscher Handballbund Athletikkonzept • Messung von (Trainings-)Umfängen: Die Protokollierung der Trainings- und Spielumfänge ist die einfachste, objektive Methode des Monitorings. Durch Erfassung der Belastungsdauer und der Belastungshöhe beim Lauftraining z. B. die Distanz, beim Krafttraining die Last (kg x Wdh.) lässt sich die Gesamtbelastung darstellen. • Messung von Herzfrequenzdaten: Eine häufig angewendete Methode ist die Erfassung der Pulswerte. Mittels entsprechender Pulssensoren bzw. Pulsund Fitnessuhren lässt sich die kardiovaskuläre Beanspruchung während einer Einheit abbilden. Neue Technologien ermöglichen eine Erhebung der sogenannten Herzfrequenzvariabilität (HRV), die Aufschluss über den Regenerationsstatus der Athlet*innen geben kann. Subjektive Daten • Abfrage des subjektiven allgemeinen Befindens: Bezüglich des eigenen Befindens sollen die Athlet*innen eine generelle Einschätzung zu ihrem Zustand abgeben. In der Basisschulung und im Grundlagentraining kann dies zunächst mittels Emojis (s. Abb. 4) erfolgen. Ab dem Aufbautraining 1 kann dies schon in differenzierter Form erfolgen (s. Abb. 5), beispielsweise über eine Zustandsbeschreibung oder numerische Skala (s. Abb. 6, S. 13). • Abfrage der individuellen Beanspruchung: Die subjektive Einschätzung der Trainingsbelastung (= Beanspruchung) ist eine relativ einfach zu erhebende und zugleich aussagekräftige Größe, die als Steuerungshilfe im Trainingsalltag anwendbar ist. Sehr häufig wird hierfür die sogenannte RPE-Methode (Rating of Perveived Exertion) verwendet (Borg, 1998; Büsch et al., 2022). Hier erfolgt die Abfrage des subjektiven Beanspruchungsempfindens mithilfe einer von 0 – 10 abgestuften Skala

HINTERGRUND Deutscher Handballbund Athletikkonzept 13 (s. Abb. 6). Multipliziert man diesen Wert mit der Dauer des Trainings in Minuten, erhält man dann die sogenannte sRPE (Session-RPE). Beispiel: Ein Training dauert 60 Minuten und der/die befragte Spieler*in bewertet die subjektive wahrgenommene Beanspruchung mit 5, so beträgt der sRPE 300 (60*5). Dieser individuelle Wert kann dann zur weiteren Steuerung verwendet werden. In diesem Zusammenhang kommt sehr häufig die sogenannte ACWR-Methode (Acute to Chronic Workload Ratio) zur Anwendung (Gabbett, 2016). Dabei wird die Trainingsbeanspruchung der vergangenen Wochen (häufig der letzten vier) in Relation zur aktuellen Trainingswoche gesetzt. Das Verhältnis sollte dabei je nach Zielstellung in einem Bereich von 0,8 – 1,4 liegen, um zu hohe Beanspruchungen (Überbelastung), aber auch zu geringe Beanspruchungen (Unterbelastung) zu vermeiden (s. Abb 7). Beispiel mit sRPE-Daten: In dieser Woche liegt die Gesamtbelastung bei 1000 Einheiten, in den letzten vier Wochen lag die wöchentliche Belastung durchschnittlich bei 800 Einheiten, dann beträgt die ACWR 1,25 (1000/800). Das Praktikable an der ACWR-Methode ist, dass sie mit objektiven und subjektiven Daten verwendet werden und somit in vielen Monitoring-Settings zur Anwendung kommen kann. Abb. 7 Theoretisches Verhältnis von akuter und chronischer Belastung/Beanspruchung (ACWR) in Relation zu Leistung und Verletzungsrisiko (adaptiert nach Foster, 1996, Gabbett, 2016) Risiko Untertraining A:C-Ratio ‹0,8 Optimale Belastung A:C-Ratio 0,8 - 1,3 Risiko Übertraining A:C-Ratio ›1,4 Kurzzeitiges Übertraining 1,3 - 1,4 Abb. 6 Skala zur Einschätzung des subjektiven Belastungsempfindens bzw. der Beanspruchung (adaptiert nach Büsch et al., 2022) 10 So anstrengend, dass ich abbrechen muss 9 Maximal anstrengend 8 Extrem anstrengend 7 Sehr anstrengend 6 Anstrengend 5 Mäßig anstrengend 4 Wenig anstrengend 3 Sehr wenig anstrengend 2 Extrem wenig anstrengend 1 Überhaupt nicht anstrengend 0 Ruhe Verletzungsrisiko Leistung Ratio

HINTERGRUND Deutscher Handballbund Athletikkonzept 14 1.4 EINORDNUNG IN DIE DHB-RAHMENTRAININGSKONZEPTION (RTK) Die Rahmentrainingskonzeption (RTK) des DHB (https://dhb- rtk.de, s. Abb. 8) ist für alle Handballtrainer*innen der zentrale Lehrplan und somit die primäre Orientierungsgrundlage für den langfristigen und entwicklungsorientierten Leistungsaufbau im Nachwuchshandball. Die RTK strukturiert das Nachwuchstraining in fünf Ausbildungsstufen (s. Abb. 9), die sich an den bereits zuvor dargestellten Etappen des langfristigen Leistungsaufbaus und dem ganzheitlichen motorischen Entwicklungsmodell nach Lloyd orientiert (Lloyd et al., 2015). Für jede dieser fünf Ausbildungsstufen werden in der RTK konkrete Lernziele formuliert. Damit möchte die RTK den idealtypischen Entwicklungsverlauf im langfristigen Leistungsaufbau von Handballspieler*innen beschreiben. In diesem Kontext ist es von herausragender Bedeutung, dass sich die Auswahl der Lernziele und der damit verknüpften Trainings- und Spielinhalte nicht dogmatisch an den zugeordneten Altersklassen orientiert, sondern sich je nach Inhaltsbaustein am Alter, dem biologischen Reifegrad und/oder vor allem an den Bewegungskompetenzen orientieren muss. Die besondere Bedeutung des Athletiktrainings spiegelt sich auch in der RTK im herausgestellten Inhaltsbaustein „Motorik/Athletik“ wider. Hierbei ist zu beachten, dass in der Ausbildungsstufe „Basisschulung“, das heißt mit Blick auf die idealtypische Entwicklung bis ca. zum D-Jugendalter, das Athletiktraining als integraler Baustein der motorischen Grundlagenausbildung vermittelt wird. Damit möchten wir dem motorischen Entwicklungsmodell Rechnung tragen, das in dieser Phase der präpubertären Entwicklung vor allem den elementaren Bewegungsfertigkeiten einen hohen Stellenwert zuschreibt. Die Gewichtung des Athletiktrainings bzw. des Inhaltsbausteins „Motorik/Athletik“, genauer gesagt der zeitliche Anteil, den dieser Baustein idealtypisch in der Gesamtausbildung einnehmen sollte, ist Abbildung 10 zu entnehmen (s. S. 15). Da die RTK jedoch nicht den Anspruch eines vollumfänglichen Lehrwerks erhebt, sondern als Lehrplan lediglich den roten Faden der Nachwuchsausbildung abbildet, stellt das vorliegende DHB-Athletikkonzept die notwendige Konkretisierung des Inhaltsbausteins „Motorik/Athletik“ dar. Für diese Auseinandersetzung im Detail sind zwei wesentliche Gründe heranzuziehen: 1. In der Trainerausbildung dominieren verständlicherweise die handballspezifischen Technik- und Taktikthemen, sodass der DHB dem Thema Athletiktraining in seiner bereits skizzierten enormen Bedeutung sowohl für die Erhaltung und Förderung der Gesundheit als auch für die langfristige Leistungsentwicklung eine separate und angemessene Berücksichtigung und Auseinandersetzung beimessen möchte. Die athletischen Fähigkeiten und Fertigkeiten als sogenannte „Zubringerleistungen“ zur komplexen Spielleistung stellen ab einem gewissen Leistungsniveau zudem einen kritisch-limitierenden Faktor für die Weiterentwicklung der individuellen Technik bei Nachwuchsathlet*innen dar. Abb 8: Die Rahmentrainingskonzeption des DHB liegt digital vor: dhb-rtk.de Abb 9: Ausbildungs-/Entwicklungsstufen der DHB-Rahmentrainingskonzeption 19 - 23 Jahre Leistungs-/Spiel- klassen Junioren 17 - 18 Jahre A-Jugend 15 - 16 Jahre B-Jugend 13 - 14 Jahre C-Jugend 6 - 12 Jahre F-/E-/ D-Jugend SPIELERAUSBILDUNG ANSCHLUSSTRAINING Heranführen an Spitzenleistung AUFBAUTRAINING II Spezialisierter Leistungsaufbau AUFBAUTRAINING I Systematischer Leistungsaufbau GRUNDLAGENTRAINING Individuelle Schulung BASISSCHULUNG Vielseitige motorische Grundausbildung

HINTERGRUND Deutscher Handballbund Athletikkonzept 15 2. Gerade im Bereich des Athletiktrainings stellt die individuelle Trainings- und Bewegungskompetenz, die bei gleichaltrigen und/oder gleichentwickelten Nachwuchsathlet*innen deutlich variieren kann, eine weitere Schlüsselrolle dar, die für die individuelle Auswahl von geeigneten athletisch-motorischen Trainingsinhalten und Progressionsstufen maßgeblich entscheidend ist. Dies kann die RTK in Ansätzen und in einer allgemeinen Tendenz zwar darstellen, in der individuellen Präzision lässt sich dies aber wesentlich besser mit dem hier vorliegenden DHB-Athletikkonzept abbilden. 1.5 EINORDNUNG IN DIE DHB-SICHTUNGS- UND FÖRDERSYSTEMATIK Während das DHB-Athletikkonzept und die als Orientrierungsrahmen dienenden athletischen Meilensteine sich ausdrücklich am langfristigen Leistungsaufbau und dem biologischen Reifegrad orientieren, steht die DHB-Sichtungs- und Fördersystematik vor der Herausforderung, zudem auch die spieltechnischen Vorgaben, das heißt die kalendarischen Altersklassen berücksichtigen zu müssen (s. Abb. 11, nächste Seite). Abb. 10 Anteile der Trainingsinhalte in den verschiedenen Altersklassen

HINTERGRUND Deutscher Handballbund Athletikkonzept 16 Im Rahmen der DHB-Sichtungs- und Fördersystematik erfolgt daher gleichzeitig auch eine Orientierung an „objektiven“ Zeitpunkten, zu denen die Kompetenzen der Spieler*innen auch festgestellt und/oder verglichen werden können. Auch wenn diese Parallelität zunächst einen gewissen Widerspruch zu beinhalten scheint, so hat der DHB diese „objektiven“ Zeitpunkte bereits am langfristigen Leistungsaufbau orientiert. Der Zeitpunkt der DHB-Sichtung definiert einen ersten zentralen Einschnitt im Förderprozess von Spieler*innen: Da die DHB-Sichtung typischerweise in die erste puberale Phase fällt, ist es wahrscheinlich, dass akzelerierte Spieler*innen überrepräsentiert vorgestellt werden. Daher ist zum Zeitpunkt der ersten Leistungsvergleiche das Phänomen des so genannten relativen Alterseffekts (relative age effect, RAE) zu beachten (s. Infobox rechts). Im Rahmen des 1. DHB-Lehrgangs nach der DHB-Sichtung wird die DHB-Präventivdiagnostik (Manual zur Präventivdiagnostik beim 1. DHB-Lehrgang, DHB, 2019) durchgeführt, um bereits mit dem Einstieg in das Fördersystem des DHB eine Grundlage für die weitere (athletische) Betreuung zu haben. Im weiteren Verlauf der DHB-Förderung werden bei den regelmäßig zwei- bis viermal jährlich durchgeführten DHBLehrgangsdiagnostiken (Athletikmonitoring) weitere athletische Kenngrößen regelmäßig erhoben. Diese sind wiederum – und hier schließt sich der Kreis – an den Meilensteinen des DHB-Athletikkonzepts orientiert und werden im Testmanual zur DHB-Sichtung (Deutscher Handballbund, 2023) sowie im Manual zum Athletikmonitoring (Deutscher Handballbund, 2020) veröffentlicht. Den letzten Meilenstein liefert die geschlechts- und positionsspezifische Einordnung der Ergebnisse des Athletikmonitorings der Juniorinnen (U19/20) und Junioren (U20/21), die quasi als Kenngröße dafür dienen, ob der Weg in die Bundesliga (HBF und HBL) und damit in den Spitzenbereich des Handballs rein aus athletischer Sicht gemeistert werden kann. Abb. 11 Einordnung der DHB-Sichtungs- und Fördersystematik in die Alters- und Spielklassen der RTK DOSB-Nachwuchs- und Perspektivkader DHB-Lehrgangsdiagnostik KLD 1 DHB- Präventiv- diagnostik KLD 2 KLD 3 KLD 4 + 5 DHB- Sichtung Leistungsdiagnostiken biologisches Alter Spielklassen RTK-Ausbildungsstufen kalend. Alter 13/14 15/16 14/15 16/17 17/18 18/19 19/23 1. puberale Phase 2. puberale Phase frühes Erwachsenenalter C-Jugend (1. Jahr) C-Jugend (2. Jahr) B-Jugend (1. Jahr) A-Jugend (1. Jahr) A-Jugend (2. Jahr) Erwachsenen- bereich B-Jugend (2. Jahr) Grundlagentraining Aufbautraining 1 Aufbautraining 2 Anschlusstraining „Ein RAE liegt allgemein dann vor, wenn die Geburtsdaten einer Stichprobe nicht proportional zu den Geburtsdaten des entsprechenden Ausschnitts der Normalbevölkerung verteilt sind – also ungefähr gleichverteilt über das Jahr –, sondern Häufungen zu Beginn des Selektionszeitraumes vorliegen, wenn also relativ Ältere häufiger in der Stichprobe vertreten sind als relativ Jüngere“ (Lames, Augste, Dreckmann, Görsdorf & Schimanski, 2008, S. 4).

STRUKTUR Deutscher Handballbund Athletikkonzept 17 Die sportliche Leistungsfähigkeit als zentrale Voraussetzung der sportlichen Leistungserbringung ist im Handball von zahl- reichen Einflussfaktoren abhängig. In der Regel wird die Leis- tungsfähigkeit dabei durch allgemeine, psychische und physi- sche Leistungsvoraussetzungen bedingt. Abbildung 12 soll vereinfacht den hierarchischen Aufbau der elementaren Komponenten der Leistungsfähigkeit im Handball veranschaulichen. Die Leistungspyramide lässt dabei eine klare vertikale Hierarchie der Leistungsvoraussetzungen erkennen. Das bedeutet, dass z. B. bestimmte technische Fertigkeiten ohne die dafür notwendigen physischen Leistungsvorausset- zungen nicht oder nur ungenügend realisiert werden können. Dies gilt auch für die physischen bzw. athletisch-konditionellen Leistungsvoraussetzungen (rot gefärbt), im Speziellen die, die wir als einzige Ebene in der Leistungspyramide differenziert darstellen werden. So leuchtet es ein, dass beispielsweise eine hohe Bewegungsqualität im Sinne einer guten Interaktion von Beweglichkeit und Stabilität Voraussetzung für Schnelligkeits- leistungen wie z. B. das Sprinten ist. Die Struktur des vorliegenden DHB-Athletikkonzepts folgt da- bei durchgehend dieser Aufteilung in den dargestellten vier athletischen Bereichen: • Beweglichkeit und Stabilität • Aerobe und anaerobe Ausdauer • Maximalkraft und Schnellkraft • Schnelligkeit und Agility Auch wenn im Rahmen des Athletikonzepts die physischen Leistungsvoraussetzungen klar im Fokus stehen, soll darauf hingewiesen werden, dass diesen sowohl gesundheitliche als auch psychische Leistungsvoraussetzungen hierarchisch vor- geordnet sind. Gesundheitliche Leistungsvoraussetzungen Spieler*innen, die vom gesundheitlichen Status her nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte sind, können ihre physischen Leistungs- voraussetzungen nur bedingt ausschöpfen. Leicht verständlich ist, dass Erkrankungen und Verletzungen einen unmittelbaren Einfluss auf die Leistungsfähigkeit haben. Aber auch das Schlafverhalten oder die Ernährung sind in diesem Bereich als fundamentale Voraussetzungen zu verstehen, die sich positiv oder negativ auf die Leistungserbringung auswirken. 2 STRUKTUR DES DHB-ATHLETIKKONZEPTS Abb. 12 Die Leistungspyramide – ein hierarchisches Modell der elementaren Leistungsvoraussetzungen zur Entwicklung von sportlicher Leistungsfähigkeit im Handball (adaptiert nach Ribbecke, 2018) Gesundheitliche Leistungsvoraussetzungen Psychische Leistungsvoraussetzungen Technik Taktik Beweglichkeit und Stabilität Aerobe und anaerobe Ausdauer Maximal- und Schnellkraft Schnelligkeit und Agility Hinweis zur Terminologie Der englische Begriff Agility wird im deutschen Sprachgebrauch synonym mit dem Begriff Handlungsschnelligkeit verwendet.

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