Athletikkonzept | Stand: 15.10.2024

HINTERGRUND Deutscher Handballbund Athletikkonzept 9 nung und Priorisierung von Inhalten die zentrale Schlüsselrolle spielt. Entscheidend in diesem Kontext ist der Fakt, dass die Einordnung der Inhalte sich weniger am kalendarischen Alter, sondern vielmehr am biologischen Reifegrad der Athlet*innen orientiert (Büsch et al., 2017; Lloyd & Oliver, 2012; Lloyd et al., 2015). Neben dem biologischen Reifegrad stellt zudem die individuelle Trainings- und Bewegungserfahrung, die bei gleichaltrigen und/oder gleichentwickelten Nachwuchsathlet*innen deutlich variieren kann, eine weitere Schlüsselrolle dar, die die Auswahl von geeigneten athletisch-motorischen Inhalten maßgeblich beeinflusst (Faigenbaum, Lloyd, MacDonald & Myer, 2016). Das hier dargestellte, ganzheitliche motorische Entwicklungsmodell im Kindes- und Jugendalter (s. Tab. 2) berücksichtigt die zuvor genannten wissenschaftlichen Fragestellungen und gibt Trainer*innen einen hervorragenden Überblick darüber, welche Bausteine der athletisch-motorischen Ausbildung mit welchen Schwerpunktsetzungen in den einzelnen Phasen der biologischen Reife im Training präferiert werden sollten (Büsch et al., 2017; Lloyd et al., 2015). Ein zentraler Aspekt, der sich aus diesem Modell ableitet, ist, dass grundsätzlich alle athletischen Dimensionen in allen Entwicklungsstufen trainierbar sind, auch wenn alters- und entwicklungsspezifische Schwerpunkte gesetzt werden sollten. Weiterhin wird deutlich, dass Kinder und Jugendliche gerade auch im athletisch-motorischen Bereich vielfältig und abwechslungsreich trainiert werden müssen, wobei für den langfristigen Leistungsaufbau neben der Entwicklung von vielfältigen Bewegungskompetenzen gerade auch der Erwerb einer Krafttrainingskompetenz in den Vordergrund rückt (Lloyd, 2018). Setzt man diese Erkenntnis in den Kontext der bereits skizzierten Vorbehalte gegenüber Krafttraining im Kindes- und Ju- gendalter, wird deutlich, warum die Trainingswissenschaft in den letzten Jahren versucht hat, zahlreiche Fragestellungen, die sich aus diesem Konflikt ergeben, zu beantworten. Vor diesem Hintergrund ist im Rahmen der KINGS-Studie (Krafttraining im Nachwuchsleistungssport) ein Modell entwickelt worden (s. Abb. 2 auf S. 10), dass für Trainer*innen eine wertvolle Orientierungshilfe zur Implementierung verschiedener Krafttrainingsformen in die Etappen des langfristigen Leistungsaufbaus darstellt (Büsch et al., 2017; Granacher et al., 2016). Die Relevanz der Krafttrainingskompetenz, also der Fähigkeit, Krafttrainingsübungen unabhängig von der Last mit hoher Bewegungsqualität zu realisieren, ist neben dem biologischen Reifegrad das zweite zentrale Kriterium für die Progression der verschiedenen Krafttrainingsformen im langfristigen Leistungsaufbau. Dies sollte daher für Trainer*innen insbesondere bei der Umsetzung des vorliegenden DHB-Athletikkonzepts von höchster Bedeutung sein. Tab. 2 Ganzheitliches motorisches Entwicklungsmodell im Kindes- und Jugendalter (adaptiert nach Büsch et al., 2017; Lloyd et al., 2015) Altersstufe Frühes Kindesalter Mittleres/spätes Kindesalter Jugendalter Erwachsenenalter Kalendarisches Alter (Jahre) q 2 – 4 5 – 11 12 – 20 21+ 2 – 4 5 – 9 10 – 19 20+ Reifungsphase EBF EBF EBF EBF Präpubertär (prä PHV) Postpubertär (post PHV) PHV Körperliche Entwicklung Beweglichkeit Beweglichkeit Beweglichkeit Gewandtheit Gewandtheit Gewandtheit Gewandtheit Schnelligkeit Schnelligkeit Schnelligkeit Schnelligkeit Schnellkraft Schnellkraft Schnellkraft Schnellkraft Kraft* Kraft* Ausdauer und Stoffwechselzustand Kraft* Kraft* Hypertrophie Hypertrophie Hypertrophie Hypertrophie Ausdauer und Stoffwechselzustand Ausdauer und Stoffwechselzustand Ausdauer und Stoffwechsel- zustand SSF SSF SSF SSF PHV: Peak-Height-Velocity (Zeitpunkt des Eintritts in den Wachstumsschub) EBF: Elementare Bewegungsfertigkeiten SSF: Sportspezifische Fertigkeiten *: Kraftausdauer und Maximalkraft Hinweise zum Modell: Die unterschiedliche Größe der Begriffe verdeutlicht die Gewichtung. Eine größere (gefettete) Schrift zeigt eine entsprechend höhere Gewichtung an. Die Schattierungen kennzeichnen eine unterschiedliche Gewichtung in den differenzierten Reifungsphasen (prä PHV, PHV, post PHV). Kalendarisches Alter (Jahre) Q

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